Verkehrsministerkonferenz für Abbiege-Assistenten-Pflicht

Verkehrsministerkonferenz für Abbiege-Assistenten-Pflicht

Die Grafik zeigt, wie ungünstig sich der Sichtbereich (Blau) und der Tote Winkel (Rot) für den Fahrer beim Abbiegen verändern ... © DEGENER

Die Grafik zeigt, wie ungünstig sich der Sichtbereich (Blau) und der Tote Winkel (Rot) für den Fahrer beim Abbiegen verändern … © DEGENER

Bereits im Koalitionsvertrag vom März 2018 haben sich die Regierungsparteien unter dem Stichwort „Mehr Verkehrssicherheit und Mobilität 4.0“ darauf geeinigt, neben der Förderung elektrischer und autonomer Fahrzeuge auch „Fahrerassistenzsysteme wie nicht abschaltbare Notbremssysteme oder Abbiegeassistenten für Lkw und Busse verbindlich vorschreiben und eine Nachrüstpflicht für Lkw-Abstandswarnsysteme prüfen“ zu wollen.

Nur einen Monat später – nachdem die Verkehrsministerkonferenz in Nürnberg Mitte April ebenfalls „die verpflichtende Nutzung von Abbiegeassistenten und automatischen Notbremssystemen“ gefordert hat – liegen dem Bundesrat erste Entschließungs-Anträge zu diesem Thema vor. Mit dem Antrag nach Drucksache 110/18 soll die Bundesregierung aufgefordert werden, sich gegenüber der EU-Kommission verstärkt dafür einsetzen, „dass in den Typgenehmigungsvorschriften schnellstmöglich sicherheitswirksame technische Einrichtungen (Abbiege-Assistenzsysteme) nach dem Stand der Technik bei Nutzfahrzeugen ab 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht verpflichtend vorgeschrieben werden.“ Für die Anschaffung bzw. Nachrüstung solle es staatliche und versicherungstarifliche Anreize geben. In der Begründung heißt es: „Gestützt auf eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) aus 2016 schätzt die Unfallforschung der Versicherer (UDV), dass etwa ein Drittel der jährlich im Straßenverkehr getöteten Radfahrenden Opfer von Abbiegeunfällen werden. Dabei habe die Auswertung gezeigt, dass die Schuld selten die Radfahrenden tragen. Die meisten Unfälle passieren an Ampelkreuzungen – während die Radfahrenden Grün haben.“ Die Annahme, wonach vor allem besonders schnelle oder rüpelhafte Radfahrende in solche Unfälle verwickelt würden, sei damit widerlegt. Unfall-Verursacher seien meist die Lkw-Fahrer. – Wie schnell die EU-Kommission mit der Überarbeitung der Verordnung zur allgemeinen Fahrzeugsicherheit vorankommt, ist allerdings nicht absehbar. Das könnte auch den zweiten Antrag zum Thema Sicherheit von Nutzfahrzeugen betreffen. Darin geht es um die „Modernisierung und Erweiterung der EU-Regelungen für Notbremsassistenten und Abstandswarner in schweren Nutzfahrzeugen“ (Drucksache 138/18), so dass z. B. Notbrems-Systeme nicht mehr abschaltbar sind. Eine Forderung, die wegen des hohen Anteils von Auffahrunfällen durch schwere Nutzfahrzeuge besonders auf Bundesautobahnen und der schweren Folgen ebenfalls dringend geboten scheint.

DiH (Redaktion)

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Blitzer, „Bremser“ und das Unfallrisiko

Blitzer, „Bremser“ und das Unfallrisiko

„Vorsicht: Blitzer-Bremser!“ © DEGENER

„Vorsicht: Blitzer-Bremser!“ © DEGENER

Manch einer wünscht sich so einen Blitzmarathon für alle Tage: Vielleicht könnten Fahrlehrer mit ihren Fahrschülern weniger bedrängt durch die Straßen fahren, wenn die Überwachungsdichte höher wäre und sich mehr Autos als üblich an die Geschwindigkeitsvorschriften hielten – vielleicht wäre aber auch das Gegenteil der Fall. Denn sobald Fahrzeuglenkende ein Gerät am Straßenrand sehen, das ihre Geschwindigkeit kritisch nachmessen und gegebenenfalls mit einem Beweisfoto zur Anzeige bringen könnte, ergreift das schlechte Gewissen die Herrschaft über ihre Füße: Sofort wird das Bremspedal präventiv bedient in der Hoffnung, noch einmal davonzukommen. Vor Schreck fahren viele sogar langsamer als vorgeschrieben; als wollten sie den verhängnisvollen Automaten beschwichtigen! – Danach wird das Gaspedal allerdings meist ebenso spontan wiederentdeckt …

Auch hier droht – besonders bei hoher Verkehrsdichte – den Unaufmerksamen Gefahr. Wenngleich sie geringer ausfallen dürfte als die oft tödliche Gefahr durch überhöhte Geschwindigkeit.

Bemerkenswert die Feststellung des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann zum Auftakt des aktuellen Blitzmarathons, dass es immer noch zu viele Unbelehrbare gebe: „Obwohl auch im letzten Jahr alle Messstellen frühzeitig im Internet unter www.sichermobil.bayern.de abrufbar waren, gingen uns 2017 beim Blitzmarathon in Bayern insgesamt 8.941 Geschwindigkeitssünder ins Netz.“ Nach Herrmanns Worten wiege das besonders schwer, denn die bayerische Verkehrsunfallstatistik zeige ganz klar, dass zu schnelles Fahren die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle sei.

Um das Problembewusstsein für zu hohe Geschwindigkeiten nachhaltig zu stärken, werden wohl noch einige Aktionen nötig sein – vielleicht auch eine Anpassung der Bußgelder an die Gehälter, wie sie in einigen skandinavischen Ländern üblich ist und hierzulande gelegentlich diskutiert wird.

Immerhin: Die Benutzung eines technischen Radarwarners (z. B. als Smartphone-App) hat inzwischen ähnliche Konsequenzen wie eine Geschwindigkeitsüberschreitung um mehr als 21 km/h (Pkw außerorts 70 €, innerorts 80 € und 1 Punkt): Hier werden im Regelfall 75 € und 1 Punkt fällig, ggf. mehr …

DiH

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Europa-eCall in zehn Jahren vs. Deutschland-UMD sofort

Frühling – Fahrtraining – Freitag, der 13te

Immer wieder üben, um im Ernstfall richtig zu reagieren. © DEGENER

Immer wieder üben, um im Ernstfall richtig zu reagieren. © DEGENER

Machen wir uns nichts vor: Statistisch und über lange Zeiträume gesehen ist so ein „Freitag, der 13.“ ein Tag wie jeder andere auch. Wirklichen Einfluss z. B. auf die Anzahl der Unfälle im Straßenverkehr haben eigentlich nur extreme Straßen- oder Witterungseinflüsse, also Eis, Gewitter, Starkregen oder Gluthitze, aber auch die Fahrzeuge  – und eben die Fahrer selbst.

Deshalb sollte zum Beginn der Motorrad-Saison nicht nur die Maschine fahrtüchtig gemacht werden. Auch für die Fahrer, seien es ungeübte oder erfahrene Biker, ist es sinnvoll, theoretische Kenntnisse und praktische Fertigkeiten immer wieder aufzufrischen, um im Ernstfall richtig reagieren zu können. Zu diesem Zweck bietet die Deutsche Verkehrswacht in Zusammenarbeit mit Fahrlehrern und gefördert durch verschiedene Berufsgenossenschaften besondere „Motorrad-Sicherheitstrainings“ in ganz Deutschland an.

Im Mittelpunkt der Motorrad-Sicherheitstrainings stehen fahrpraktische Übungen mit dem eigenen Motorrad und die sichere Fahrzeugbeherrschung: „Dabei erleben die Teilnehmer die eigenen Grenzen als Fahrer und die spezifischen Eigenschaften ihres Fahrzeugs. Geübt werden Elemente, die jeder Motorradfahrer beherrschen muss: Slalom um Hindernisse, langsam über schmale Bretter, Bremsmanöver aus verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten heraus, kleine Kreise fahren, ohne dass die Maschine umkippt – neben dem Lernaspekt zählt auch der Fahrspaß.“

Eine Übersicht über die zahlreichen Angebote mit Suchhilfe nach Kraftfahrzeugart und Ort bzw. Postleitzahl bietet die Verkehrswacht auf ihrer Webseite: http://www.sicherheitstraining24.de

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Europa-eCall in zehn Jahren vs. Deutschland-UMD sofort

Europa-eCall in zehn Jahren vs. Deutschland-UMD sofort

Quelle: GDV Dienstleistungs-GmbH

Quelle: GDV Dienstleistungs-GmbH

Bis die meisten Fahrzeuge tatsächlich eCall bereithalten, werde es wohl noch zehn bis 15 Jahre dauern, resümiert der Auto Club Europa (ACE). Denn die Verpflichtung zum Notrufsystem eCall für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in der Europäischen Union ab April 2018 gilt nur für „neu typgeprüfte Automodelle, nicht aber alle Neuwagen. Fahrzeuge, die ihre Typzulassung vor dem Stichtag erhalten haben, dürfen weiter ohne eCall verkauft werden.“

Quelle: GDV Dienstleistungs-GmbH

Wer den Aussagen zum Datenschutz traut und nicht darauf warten will, bis das eingebaute eCall-Notrufsystem zur Standard-Fahrzeug-Ausstattung geworden ist, kann alternativ bei vielen Versicherern unter der Bezeichnung „Unfallmeldedienst“ (UMD) eine Nachrüstlösung* für praktisch jedes Fahrzeug erhalten. Sie besteht aus einem Unfallmeldestecker für den Zigarettenanzünder (12 Volt-Buchse) und einer Smartphone-App. Einmal installiert, funktioniert es ganz ähnlich wie das fest eingebaute System: Sensoren im Unfallmeldestecker erkennen eine Kollision und ihre Aufprallstärke, die Informationen werden über Bluetooth an das Smartphone des Fahrers gesendet, die Unfallmelde-App ruft automatisch die Notrufzentrale an, das Unfallopfer kann direkt mit einem Notrufagenten sprechen. Gleichzeitig erhält der Agent die von der Unfallmelde-App übersendeten Positionsdaten des Unfallfahrzeugs und die letzte Fahrtrichtung. Nach persönlicher Klärung der Sachlage gibt die Notrufzentrale der Autoversicherer alle für eine schnelle Hilfe notwendigen Informationen umgehend an die Rettungsleitstelle weiter, damit diese dem Unfallopfer schnelle Hilfe leisten kann. (Quelle: www.unfallmeldedienst.de)

Alternative mit Einschränkungen: Der Unfallmeldedienst (UMD) ist derzeit allerdings ausschließlich für die Nutzung in Deutschland konzipiert. Im europäischen Ausland schlägt das System lediglich die 112 als Notrufnummer vor. Und falls die Übertragung der Informationen nicht über eine mobile Internetverbindung möglich ist (bis zu einem Netz von 2G) und diese daher per SMS verschickt werden, können – je nach Mobilfunkvertrag – Kosten anfallen.

* Anm. d. Red.: vergleichbare Systeme von Fahrzeugherstellern und anderen Anbietern können aufgrund ihrer unterschiedlichen Zusatzleistungen und Kostenmodelle hier nicht berücksichtigt werden.

DiH (Redaktion)

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Besser vorbereitet ins Frühjahr …

Besser vorbereitet ins Frühjahr …

GTUE-Testergebnisse

Tabelle der Testergebnisse | Grafik: Kröner/GTÜ

Taugliches Verbandmaterial kann Leben retten und gehört in jedem Fahrzeug zur Grundausstattung. Doch trotz der Vorschrift wird es – möglicherweise wegen der eher geringen Geldbuße – häufig „stiefmütterlich“ behandelt. Ein Grund mehr, sich wenigstens im Rahmen des „Frühjahrsputzes“ auch einmal um dieses Thema zu kümmern.

Wenngleich der Gesetzgeber nicht festlegt, WO das Material aufzubewahren ist, so ist doch genau vorgeschrieben, WORAUS das mitzuführende Set bestehen soll. Da auch die äußere Form nicht festgelegt ist, haben die Experten von ACE (Auto Club Europa), GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) und DRK (Deutsches Rotes Kreuz) zehn unterschiedliche Sets zwischen fünf und 25 Euro, verpackt in Kasten oder Taschen, auf ihren Inhalt und den Schutz desselben untersucht. Während die Qualität des Verbandmaterials mehr oder weniger übereinstimmt – alles ist zur Notversorgung zu gebrauchen – halten die Untersucher in Sachen Dichtheit fest: „Verbandkästen sind besser vor Umwelteinflüssen geschützt und stabiler als Taschen.“ – Allerdings variiere die Qualität der Verschlüsse und Scharniere bei den Kästen ähnlich stark wie die Beschichtungen und Reißverschlüsse der Sets in Taschenform.

Der Testsieger glänzt durch gute Abdichtung mit einer Doppelkante am Deckel, soliden Verschlussteilen und klar getrennten Verpackungssegmenten: Auf einen Blick ist bei diesem Exemplar am Mindesthaltbarkeitsdatum ersichtlich, welches sterile Verbandmaterial austauschpflichtig ist und welche unsterilen Komponenten sich, je nach Zustand, weiter verwenden lassen. Den Preis-Leistungssieger des Tests lobt der Experte des DRK unter anderem für seine Innenverpackung mit leicht zu erfassenden Symbolen, die insgesamt gleichzeitig fest in der Außenhülle sitzt. Zusammengefasst sind Verbandkästen in der Regel stabiler und besser gegen Staub und Flüssigkeiten abgedichtet, Verbandtaschen sind dafür kompakter und einfacher sowie flexibler im Auto oder auf dem Motorrad zu verstauen. Und das Fazit im Preisvergleich: Preiswert muss qualitativ nicht schlecht sein.

>> Mehr Tipps für die weitere Frühjahrsvorbereitung gibt es übrigens hier: DEGENER Frühjahrs-Tipps!

DiH (Redaktion)

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